Langfinger in Visier – HBE unterstützt Einzelhandel mit Fachvortrag zum Ladendiebstahl

Langfinger in Visier – HBE unterstützt Einzelhandel mit Fachvortrag zum Ladendiebstahl

Mitgliederversammlung der Werbegemeinschaft Memmingen e.V. präsentiert Themenvortrag “Ladendiebstahl” vom HBE

Memmingen, den 11.11.2015 (cf). Knapp 40 Teilnehmer kamen auf Einladung des Bayerischen Handelsverbands Bezirk Schwaben (HBE) und der Werbegemeinschaft Memmingen ins Hotel „Weisses Ross“ zur Mitgliederversammlung. Linda Ponyadou und Andreas Gärtner, beide vom HBE, durchleuchteten in einem Vortrag die Tricks der Ladendiebe. Im Anschluss informierten Herr Hermann Zelt und Frau Sabine Braun über die anstehende Weihnachtsaktion „Weihnachtswichteln“.

Der „Deponiertrick“, „Ablenkungstrick“ oder der „Kinderwagentrick“ sind nur einige Beispiele aus der Trickkiste der Ladendiebe. Linda Ponyadou, selbst Juristin, berät im HBE Onlineshops und übernimmt die gerichtliche Vertretung im Arbeitsrecht. Andreas Gärtner, Referent und Leiter des HBE Bezirk Schwaben, betreut Mitglieder bzw. Einzelhändler in den Bereichen Ausbildung/Weiterbildung, Finanzen und E-Commerce.

Ladendiebstahl ist nach wie vor ein zentrales Thema im Einzelhandel. Nach einer Studie vom HBE Bayern entstand dem Handel im vergangenen Jahr ein „Verlust von 335 Millionen EURO, das sind 1,4 % vom Umsatz“, so Gärtner. Interessant ist hierbei auch ein Blick auf die Herkunft der Diebe, bzw. die Hintergründe für diesen hohen Verlust. Demnach sind es nicht ausschließlich Diebe, die für den hohen Umsatzverlust verantwortlich sind.
Wer klaut?
Blickt man genau auf die vom HBE veröffentlichten Zahlen, so sind die Kunden mit 53,6% für den Ladendiebstahl verantwortlich und damit die größte Gruppe. Mit immerhin 25,7% sind es die eigenen Mitarbeiter. Der Rest teilt sich mit 15,3% durch interne Fehler und 5,4% Differenzen durch Lieferanten auf. Insgesamt wurden im letzten Jahr 37.000 Ladendiebstähle in Bayern zur Anzeige gebracht.

INFO
§ 242 StGB Diebstahl
(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Nicht nur der Diebstahl, also das absichtliche Entwenden von Ware ist strafbar, sondern auch jegliche Art der Täuschung. Der Jurist differenziert hier zwischen Diebstahl und Betrug. Beispiele für Betrug sind der Etikettentausch oder die Selbstauszeichnung von Waren. Waren werden hierbei zwar bezahlt, aber mit einem absichtlich niedrigeren Preis. Auch das „Ineinanderpacken“ oder „Umverpacken“ ist ein beliebter Trick. Hier werden Kartons einer günstigen Ware mit teureren Artikeln gefüllt. „Das Ineinanderpacken kann zu einem höheren Strafmaß führen als der Diebstahl, da bei einem Betrug eine höhere kriminelle Energie vorliegt“, so Rechtsanwältin Ponyadou.

INFO

§ 263 StGB Betrug (Auszug)
Betrug(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

1. gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung von Urkundenfälschung oder Betrug verbunden hat,
2. einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeiführt oder in der Absicht handelt, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten zu bringen,
3. eine andere Person in wirtschaftliche Not bringt,
4. seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger mißbraucht oder
5. einen Versicherungsfall vortäuscht, nachdem er oder ein anderer zu diesem Zweck eine Sache von bedeutendem Wert in Brand gesetzt oder durch eine Brandlegung ganz oder teilweise zerstört oder ein Schiff zum Sinken oder Stranden gebracht hat.

Im Vergleich der Regierungsbezirke steht der Ladendiebstahl in Schwaben im oberen Mittelfeld. Die Zahl der Ladendiebstähle nach Regierungsbezirken gliedert sich wie folgt:
Oberbayern: 13.393 (+0,8 Prozent)
(davon in München: 8.077 ( +4,4 Prozent)
Mittelfranken: 7.721 (+6,1 Prozent)
Schwaben: 4.402 (-1,6 Prozent)
Unterfranken: 3.332 (+ 6,0 Prozent)
Oberpfalz: 3.152 (-8,8 Prozent)
Niederbayern: 2.512 (-1,3 Prozent)
Oberfranken: 2.537 (+4,1 Prozent)
Quelle: Bayerisches Landeskriminalamt

Ist der Ladendieb erst mal ertappt, so droht nicht nur Hausverbot und eine Bearbeitungsgebühr, sondern im weiteren Verlauf auch eine Anklage durch den Staatsanwalt. Auch eine Taschenkontrolle muss der Ertappte über sich ergehen lassen. Viele Geschäfte gehen mittlerweile dazu über, die gesamten Verkaufsräume per Video zu überwachen. Nach Angaben des HBE ein legitimes Mittel, um Ladendiebstahl vorzubeugen. Doch die „Aufmerksamkeit der Verkaufsmitarbeiter ist durch keine technische Lösung zu ersetzen“, so Gärtner abschließend.
Im zweiten Teil der Versammlung stellten Hermann Zelt, 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Memmingen e.V. und Sabine Braun, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle, die kommende Weihnachtsaktion „Weihnachtswichteln“ vor. Es sei gelungen, den Kunden in der Memminger Innenstadt in diesem Jahr 80.000 Sofortgewinne im Gesamtwert von 250.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Die Rubbellose erhalten die Kunden bei ihrem Einkauf in den teilnehmenden Geschäften. Die Sofortgewinne müssen bis zum 9. Januar 2016 eingelöst sein. Eine zusätzliche Chance wartet auf alle Teilnehmer: alle vollständig ausgefüllten Lose nehmen an der Gewinnziehung am 19. Januar 2016 teil, bei der viele attraktive Hauptpreise verlost werden.
Weitere Informationen zur Werbegemeinschaft: www.werbegemeinschaft-mm.de
Weitere Informationen zum HBE hier.